„Zurück in die Zukunft“ im Kino

Steffen Anton, 09.11.2025


Seit einiger Zeit gibt es den erfreulichen Trend, bekannten Filmklassikern erneute Aufführungen in Kinos zu spendieren. Egal ob „Der weiße Hai“, „Titanic“ oder „Pulp Fiction“: Die Auswahl ist riesengroß und es nimmt kein Ende. Diese Rückbesinnung ist vermutlich wenigstens teilweise auf die allgemeine Retro-Welle zurückzuführen, die sich auch im Wiederkehren bekannter Musik oder Mode der 80er oder 90er äußert. Anlässlich seines vierzigsten Geburtstags ist nun auch „Zurück in die Zukunft“ zu diesen Ehren gekommen. Der Film aus dem Jahr 1985 läuft dieser Tage nicht ohne Erfolg in zahlreichen Lichtspielhäusern in der ganzen Republik. Da der Streifen von Robert Zemeckis zu meinen zehn Lieblingsfilmen gehört, habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihn auch einmal im Leben auf der großen Leinwand zu sehen.

Ausschnitt aus der "FF Dabei" vom Dezember 1989.
Ausschnitt aus der "FF Dabei" vom Dezember 1989.

Machen wir selbst eine kleine Zeitreise, und zwar in das Jahr 1989. Es ist Ostersonntag, der 26. März. Auf ARD läuft um 20.15 Uhr zum allerersten Mal „Zurück in die Zukunft“ im Fernsehen. Die Grenzen sind zu dieser Zeit noch dicht, ich bin zehn Jahre alt und gehe in die vierte Klasse der POS Bernterode. Viele meiner Mitschüler sitzen an diesem Abend vor dem TV-Gerät, und erleben die Abenteuer von Marty McFly. Ich jedoch nicht. Warum? Ich weiß es nicht mehr. Was ich allerdings noch weiß: Am darauf folgenden Montag muss ich mir die Erzählungen meiner Kameraden anhören. Der Spruch „McFly – jemand zu Hause?“ tönt quer über den Schulhof, und ich kann nicht mitreden.

Knapp acht Monate später öffnen sich die Grenzen, und eine neue Welt bricht über mich herein. Was dieser Tag in mir ausgelöst hat, wird in einer anderen Geschichte erzählt. „Zurück in die Zukunft“ habe ich zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht gesehen, aber es sollte nun nicht mehr lange dauern. Denn am 29. Dezember des selben Jahres, also kurz vor Silvester, läuft der Film auf dem Ost-Sender DDR 2. Das ist rückblickend betrachtet einigermaßen erstaunlich, aber so erstaunlich dann auch wieder nicht. Denn ich hatte den Eindruck, dass die Fernsehsender der DDR seit dem Mauerfall etwas cooler geworden waren und mehr aktuelle Filme aus dem westlichen Ausland im Programm hatten. Wie dem auch sei, im Rahmen des Jugendprogramms „Elf 99“ lief um 18 Uhr „Zurück in die Zukunft“, und ich saß wie gebannt vor dem Fernseher. Ich war dermaßen beeindruckt von der Zeitreise-Story in die 50er-Jahre, dass ich nach der Sichtung Notizen zur Handlung niederschrieb und sogar ein Bild davon malte, wie Marty mit seinem Skateboard an einem Jeep hängt. Irgendwann um diese Zeit bekam ich auch das Hörspiel zum Film auf Kassette geschenkt, sodass ich nun auch abends im Bett noch einmal der Geschichte lauschen konnte. Leider ist mir diese Kassette im Laufe der Jahre abhanden gekommen.

How I met Martys Mother

Meine Begegnung mit Lea Thompson werde ich nie vergessen.
Meine Begegnung mit Lea Thompson werde ich nie vergessen.

Einige Zeit später legte sich mein Bruder einen Videorekorder zu und so kam ich auch in den Genuss der beiden Fortsetzungen. Dennoch ist es vor allem der erste Film, der eine besondere Bedeutung für mich hat, denn ich verbinde ihn mit meiner eigenen Umbruchzeit rund um den Mauerfall. Aber nicht nur deshalb zähle ich „Zurück in die Zukunft“ zu meinen absoluten Lieblingsfilmen: Immer und immer wieder kann ich ihn anschauen, ohne dass er auch nur einen Hauch langweilig wird.

Dementsprechend aufgeregt war ich daher am 5. Dezember 2015: An diesem Tag traf ich auf der Comic Con in Dortmund die Schauspielerin Lea Thompson, die im Film Martys Mutter verkörpert. Ich wechselte sogar einige Worte mit ihr und machte ihr ein Kompliment, über das sie sichtlich erfreut war. Auf dem Event durfte ich zudem auch einmal in einem echten DeLorean Platz nehmen. Dass mir das viel Vergnügen bereitet hat, kann man auf dem Foto sehen.

Vorhang auf, Film ab

Einmal im DeLorean sitzen: unbezahlbar!
Einmal im DeLorean sitzen: unbezahlbar!

Heute am 9. November 2025 war es nun endlich so weit: Ich war im Kino, um den Film so zu erleben, wie ich es noch nie getan hatte. Für eine Vorstellung um 10.45 Uhr befanden sich erstaunlich viele Menschen mit mir im Saal, die hauptsächlich in meinem Alter waren. Einige der Zuschauer hatten aber auch ihre Kinder mitgebracht.

Das erneute Anschauen hat mir einmal mehr gezeigt, wie perfekt der Film eigentlich ist. Das Drehbuch enthält keine einzige überflüssige Szene, alle Elemente greifen perfekt ineinander und sowohl Gags als auch Spezialeffekte sind hervorragend gealtert. Letzteres ist beispielsweise bei „Ghostbusters“ (1984) nicht ganz der Fall, auch wenn ich diesen Film ebenfalls verehre. Einzig die nur mäßig lustige Szene ganz am Anfang mit Marty und dem Verstärker hätte man genauso gut auch weglassen können, ohne dass es die Handlung beeinträchtigt hätte.

Ich verließ den Saal wie üblich erst ganz nach dem Ende des Abspanns, noch immer völlig gebannt vom Film. Leider konnte ich mir kein Souvenir mitnehmen: Als Eintrittskarte hatte ich lediglich lediglich einen QR-Code bekommen. Auch Plakate oder anderes Promotion-Material war nicht vorhanden, was mir eine nette Dame vom Kino mitteilte. Aber die Erinnerung an diesen Sonntagvormittag wird mir für immer bleiben.

 

Mit der Kino-Sichtung habe ich eine für mich bedeutende Lücke geschlossen. Dass heute zudem auch noch der Tag des Mauerfalls ist – es hätte nicht besser passen können!