Meine zehn liebsten Weihnachtsfilme

Steffen Anton. 18.12.2025


Die Zeit vor dem Weihnachtsfest ist für mich seit Kindheitstagen etwas ganz Besonderes. Etwas, auf das ich mich schon Monate vorher freue. Wenn im August die ersten Lebkuchen in den Läden zu kaufen sind, dann weiß ich, es dauert nicht mehr lange, dann wird es draußen kälter und die Tage werden kürzer. Auch wenn der Advent aus Sicht eines Erwachsenen eher von Stress und Terminen geprägt ist und viel zu schnell vorüber zieht: Ein klein wenig des Zaubers von früher hat sich dennoch gehalten, wenn zum Beispiel das ganze Haus weihnachtlich dekoriert wird. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser besonderen Stimmung haben für mich zudem einige Filme, deren Anschauen im Dezember seit Jahrzehnten wie selbstverständlich dazu gehört. Manche von ihnen spielen in der Zeit rund um Weihnachten, wieder andere vermitteln vielleicht wegen ihres winterlichen Settings ein weihnachtliches Gefühl.


Die zehn wichtigsten Filme aus dieser Kategorie möchte ich daher hier kurz vorstellen, und auch die Gründe, warum sie in diese Liste gehören. Ich habe lange überlegt, wie genau meine Top Ten aussehen sollen. Viele potentielle Kandidaten wie „Das letzte Einhorn“, „Monty Python's Meaning of Life“, „Edward mit den Scherenhänden“ oder „Tanz der Vampire“ mussten am Ende gestrichen werden.

Fröhliche Weihnachten (A Christmas Story, USA 1983)

Der kleine Ralphie mit seinem Gewehr. im Vordergrund mein eigenes Exemplar.
Der kleine Ralphie mit seinem Gewehr. im Vordergrund mein eigenes Exemplar.

Anfangen möchte ich mit diesem kleinen Juwel, das zu Unrecht in Deutschland nur wenigen bekannt ist. Der kleine Ralphie (Peter Billingsley) wünscht sich zu Weihnachten irgendwann in den USA der 1940er-Jahre nichts sehnlicher, als ein „Red Ryder“-Luftgewehr. Seine Mutter ist jedoch anfangs gar nicht begeistert von dieser Idee, denn er könnte sich ja ein Auge ausschießen! Schlussendlich bekommt er das Gewehr aber doch noch, obwohl er nicht mehr damit gerechnet hätte. Der Festtagsbraten wird von den Hunden des Nachbars stibitzt, sodass die Familie am Ende des Films in einem chinesischen Lokal einkehren muss. Die Handlung klingt recht unspektakulär und ist es auch. Aber mit einer fein distanzierten Ironie wird die Geschichte aus Sicht des erwachsenen Ralphie erzählt (im deutschen übrigens mit der Stimme von Harald Juhnke) und es macht Spaß, den Jungen bei seinem Alltag vor dem Fest zu begleiten.

Ich hatte den Film Anfang der 90er-Jahre ein einziges Mal an Heiligabend auf ZDF gesehen und danach nie wieder. Im Laufe der Jahre begann ich daher sogar zu zweifeln, dass es ihn je gegeben hatte. Als das Internet mir neue Möglichkeiten der Recherche eröffnete, fand ich den Film jedoch. Es gab ihn zwar nicht auf DVD, jedoch bei Amazon Prime als Download zu kaufen, wovon ich natürlich sofort Gebrauch machte. Seitdem schaue ich ihn traditionell jedes Jahr am Samstag vor dem Ersten Advent an, während ich den Adventskranz bastele. 

Die Luftgewehre von „Red Ryder“ vom Hersteller Daisy gibt es in den USA bis heute zu kaufen. Vor einigen Jahren habe ich mir ein solches Gewehr bei einem Versandhändler bestellt und auch schon mehrfach im Garten meiner Eltern damit geschossen. Meine Augen sind bisher noch heil geblieben. Im Jahr 2022 kam unter dem Titel „A Christmas Story Christmas“ ein verspätetes Sequel mit dem mittlerweile erwachsenen Ralphie, erneut gespielt von Peter Billingsley, ins Kino. Ehrensache, dass ich mir diese gelungene Fortsetzung auf der großen Leinwand angeschaut habe.

Schöne Bescherung (National Lampoon's Christmas Vacation, USA 1989)

Keine Liste mit Weihnachtsfilmen ohne die Griswolds! Der dritte Teil der Serie um die chaotische Familie mit Chevy Chase in der Hauptrolle erzählt von einer vorweihnachtlichen Odyssee inklusive Besuch der lästigen Verwandtschaft, Ärger mit dem Chef und erfolglosem Dekorieren des Hauses. Das Ganze kulminiert im Einsatz eines SWAT-Teams sowie der Explosion der Kläranlage. Nie zuvor und auch nie wieder danach waren die Griswolds lustiger unterwegs, viele Sprüche aus dem Film sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Dieser Film hat sich von Jahr zu Jahr mehr und mehr zu einem Klassiker entwickelt, und gehört nicht nur für mich absolut zur Einstimmung auf das Fest dazu.

Kevin allein zu Haus (Home Alone, USA 1990)

Auch der Familie McCallister statten wir im Dezember gern einen Besuch ab. Der achtjährige Kevin (Macaulay Culkin) wird nach einem Streit mit seiner Mutter schlichtweg vergessen, als der Rest der Familie vor Weihnachten eine Reise nach Paris antritt. Anfangs ist der Bengel noch begeistert von den sich bietenden Freiheiten. Doch dann bekommt er es mit den Gaunern Harry und Marv zu tun, welche die Urlaubszeit dazu nutzen wollen, sämtliche Häuser in der Nachbarschaft leerzuräumen. Sie haben jedoch nicht mit dem Erfindungsreichtum von Kevin gerechnet.

Der tolle Soundtrack von John Williams sowie der comichafte Humor des Films sind zwei Zutaten zu dessen Erfolgsrezept. Und natürlich das Happy End, als Kevin seine Familie wieder in die Arme schließt und sogar noch die Familienprobleme seines alten Nachbarn gelöst hat. Daher musste Kevin unbedingt in dieser Liste auftauchen.

Der kleine Lord (Little Lord Fauntleroy, GB 1980)

Der für das britische Fernsehen 1980 gedrehte Film bietet einen Auftritt des großartigen Sir Alec Guinness, der Star-Wars-Fans natürlich als Obi Wan Kenobi bekannt ist. Guinness spielt einen griesgrämigen alten englischen Lord, dem von seinem in den USA aufgewachsenen Enkelsohn Cedric nach und nach das Herz erweicht wird. Der Film vermittelt eine warmherzige Botschaft, die natürlich perfekt in die Weihnachtszeit passt. Wird seit 1982 jährlich im deutschen Fernsehen ausgestrahlt – zu recht!

Gremlins (USA 1984)

Auch eine Horrorkomödie kann weihnachtliche Stimmung vermitteln, das zeigen die Gremlins von Joe Dante. Billy Peltzer (Zach Galligan) bekommt von seinem Vater ein niedliches kleines Tierchen geschenkt, einen Mogwai. Es gibt jedoch bei dessen Haltung einige wichtige Regeln zu beachten. Logisch, dass Billy es vermasselt. Es kommt, wie es kommen muss: Der Mogwai vermehrt sich unkontrolliert und die neuen kleinen Kreaturen verwandeln sich in fiese Monster, die nach und nach die eingeschneite Stadt übernehmen.

Humor und Horror gehen in „Gremlins“ eine einzigartige Symbiose ein. Deshalb, und natürlich weil die Handlung rund um Weihnachten angesiedelt ist, muss der Film hier aufgeführt sein. Die Außenaufnahmen der Stadt entstanden übrigens in den gleichen Kulissen, in denen auch „Zurück in die Zukunft“ gedreht wurde.

Stirb langsam (Die Hard, USA 1988)

Bruce Willis hat mit diesem Film seinen Status als eine der Action-Ikonen der späten 1980er-Jahre begründet. Eigentlich wollte der New Yorker Cop John McClane nur an Heiligabend seine Frau, mit der es in letzter Zeit etwas gekriselt hatte, im Büro abholen. Der hochmoderene Wolkenkratzer wird jedoch von Terroristen gestürmt, die vom deutschen Hans Gruber (Alan Rickman) angeführt werden. Diese wissen wiederum nichts von McClanes Anwesenheit. Und so beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, in dessen Verlauf unser Held einen Gangster nach dem anderen ausschalten kann. Am Ende heißt es für Gruber: Yippie Kay Yay, Schweinebacke!

Für viele gilt: Solange Hans Gruber nicht vom Nakatomi Tower gestürzt ist, ist auch nicht Weihnachten. Und recht haben sie: Auch „Stirb langsam“ hat sich seinen Platz unter den Weihnachtsklassikern redlich verdient. Und das nicht nur wegen des Lieds „Let it snow“, das während des Abspanns läuft.

Santa Clause (The Santa Clause, USA 1994)

Tim Allen brilliert in dieser Komödie als unfreiwilliger Ersatz für den Weihnachtsmann, der zufällig an Heiligabend auf dessen Dach abgestürzt ist. Das ist dem knallharten Geschäftsmann anfangs gar nicht recht, denn auch visuell nähert er sich immer weiter dem dicken alten Graubart an. Das sorgt für viele witzige Momente, und auch die gefühlvolle Seite kommt nicht zu kurz. Der Film war sehr erfolgreich, daher wurden einige Nachfolger produziert. Kein Wunder, besitzt er doch alle Zutaten für einen perfekten Weihnachtsfilm.

Ist das Leben nicht schön? (It's a Wonderful Life, USA 1946)

Wenn es einen definitiven Weihnachtsfilm gibt, dann diesen. George Bailey (James Stewart), der in dem kleinen Städtchen Bedford Falls eine Bausparkasse betreibt, verliert am Weihnachtsabend den Lebensmut und will sich umbringen. Doch er hat die Rechnung ohne seinen Schutzengel Clarence gemacht. Dieser zeigt ihm auf drastische Weise, wie das Leben in der Stadt verlaufen wäre, hätte es ihn nicht gegeben.

Eine wunderschöne Geschichte hat uns Regisseur Frank Capra mit diesem Streifen geschenkt. Wer sich nicht daran stört, dass es sich um einen Schwarz-Weiß-Film handelt, der wird mit einem zeitlosen Märchen belohnt, das garantiert zu Tränen rührt. Ich schaue ihn seit Langem jährlich an Heiligabend vor der Bescherung an.

Verrückte Weihnachten (Christmas with the Kranks, USA 2004)

Und wieder Tim Allen: Das Ehepaar Luther (Allen) und Nora Krank (Jamie Lee Curtis) beschließt, dieses Jahr kein Weihnachten zu feiern und stattdessen eine Kreuzfahrt zu machen. Warum auch, denn Tochter Blair hat angekündigt, an den Feiertagen nicht kommen zu können. Als Blair dann kurzfristig wider Erwarten doch ihr Kommen ankündigt, werfen die Kranks ihre Pläne über den Haufen und wollen innerhalb kurzer Zeit ein perfektes Fest organisieren.

Der Film zieht seinen Reiz zum einen aus dem Zusammenspiel des beiden Hauptdarsteller. Zum anderen daraus, dass der Zuschauer sich in die Lage der Kranks versetzt: Was hätte ich in dieser Situation getan? Wie sähe mein perfektes Weihnachtsfest aus? Lange habe ich überlegt, ob ich den Film in die Liste aufnehmen soll. Und mich dann zu seinen Gunsten entschieden.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Tri orisky pro Popelku, CSSR/DDR 1973)

Ein klassischer Märchenfilm gehört selbstverständlich ebenfalls in diese Top Ten. Und hier haben wir den Märchenfilm schlechthin. Die tschechischen Barrandov-Studios waren seinerzeit die erste Adresse für Filme aller Art, hauptsächlich sind jedoch die Kinderfilme der Produktionsfirma in Erinnerung geblieben. Der bekannte Aschenputtel-Stoff wurde hier ein wenig aufgepeppt. So sehen wir die Heldin durchaus selbstbewusst auftreten und sich beim Reiten und der Jagd vor der Männerwelt profilieren. Die einzigarten Landschaftsaufnahmen sowie die traumhaft schöne Titelmelodie sorgen dafür, dass man den Film immer wieder anschauen will. Zumindest in der Weihnachtszeit.


Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 1. Dezember 2019 auf Retrokram und wurde für die Neuveröffentlichung stark überarbeitet und erweitert.